I/O/sonic: Klang- Netzkunst

 
 
 
 
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I/O/sonic, als Weimarer Beitrag zum internationalen Netzkunstprojekt "Sound Drifting - I silenzi parlano tra loro" des ORF-Kunstradios, war vom Abend des 01.09.1999 bis zum Morgen des 06.09.1999 über 108 Stunden als eine permanente Klanginstallation in Weimar und Umgebung zu hören. OnSite, achtkanalig, im Dachgeschoß der Limona, OnAir, im lokalen Radio der Universität auf 106,6 MHz UKW und auf 107,25 MHz im Kabelnetz, sowie OnLine, mono über MPEG3- und RealAudio-Streams im Internet.

Diesen drei Erscheinungsformen war gemeinsam, daß sich ihr hörbarer Anteil aus den über das Internet gesendeten Klangströmen der an “Sound Drifting” beteiligten Projekte und der Klanglandschaft Weimars zusammensetzte. Insgesamt drei Audiostreams beteiligter Projekte wurden permanent in das System von IOsonic eingespeist. Zwei davon wurden mittels Granularsynthese in Echtzeit bearbeitet, einer, meist das offene Mikrofon des Belgrader Subprojektes, wurde direkt unbearbeitet zugemischt. Die Klanglandschaft Weimars wurde von vier Richtmikrophonen aufgenommen, die außen auf den Balkonen an den Ecken des Daches der Limona positioniert waren.

Die “Instrumente” der Granularsynthese bezogen ihr Material, indem sie automatisiert durch die Klangströme der Subprojekte fuhren. Die Art und Weise der Synthese anderer Klänge aus diesem Material variierte ständig, da sich die Parameter der Instrumente zwischen zahlreichen fixen Einstellungen kontinuierlich veränderten. Die Auswahl, zwischen welchen Einstellungen dies geschah, erfolgte nach verschiedenen mathematischen Zufallsalgorithmen. Weder die Einstellung der automatisierten Systeme zur Klangbearbeitung, sowie zur Klangbewegung im Falle der OnSite Installation, noch die Position der  Mikrophone, wurde während der Dauer I/Osonics verändert.



Die Raumklanginstallation auf dem gläsernen Dach der "Limona", einer ehemaligen Getränkefabrik in der Steubenstrasse 8 im Zentrum Weimars, war 24 Stunden rund um die Uhr der Öffentlichkeit zugänglich. Innerhalb einer achtkanaligen Lautsprechermatrix war der Mix zu hören, der sich aus dem oben beschriebenen ergab. Im Unterschied zu den anderen Manifestationen I/O/sonics wurden die Klänge hier innerhalb bestimmter Muster im Raum bewegt. Damit war es möglich, das feinmaschige Netz der oftmals rauschhaften Klangstrukturen sehr differenziert zu hören. Der verglaste Aufbau im 6. Stock der Limona bot einen Ausblick über die gesamte Stadt hinaus. Die vier Richtmikrophone waren sichtbar installiert und die aufgenommenen Klänge der unten am Haus entlang führenden Strasse, sowie der entfernt auszumachenden Klangmarken der Stadt, wie zB der Glocken des Schlossturms und der Herderkirche, waren direkt mit dem sichtbaren und hörbaren Aussenraum in Verbindung zu bringen. An zwei an das Internet angeschlossenen Rechnern war es den Besuchern der Installation möglich, sich über das gesamte Projekt zu informieren.

Die Radioversion als Radioskulpur wurde in einer speziellen Stereomischung gesendet, in der die Möglichkeiten der Klangbewegung diesem Medium angepasst waren. Die Radio- und Netz- Übertragungen wurden ebenfalls rund um die Uhr ausgestrahlt, nur unterbrochen durch seltene und knappe Informationen um "Sound Drifting". Diese Beiträge, die auch im Vorfeld über die freien Radiosender “RadioFrei” und “RadioLotte” im Bereich Erfurt-Weimar zu vernehmen waren, wurden von TeilnehmerInnen erstellt und gesprochen, die hauptsächlich an der Manifestation I/O/sonics im Radio arbeiteten.
Als weitere Maßnahmen, um der Öffentlichkeit der Region I/Osonic bekannt zu machen, hatte die Grafikgruppe 6000 Postkarten und Flyer drucken lassen, sowie 300 DIN A2 Plakate per Siebdruck hergestellt.

Im Internet hatte I/O/sonic eine für die Öffentlichkeit zugängliche Seite als Erscheinungsform, über die der Klangstrom aus Weimar in verschiedenen Kompressionsstufen anzuwählen war. Auf dieser Page wurde über die Weimarer Beteiligung informiert und Links zu allen Subprojekten angeboten, denen über den Projekteigenen Server ebenfalls der Mix I/O/sonics zur Verfügung stand.


Das Projekt in Weimar war als universitäres, studentisches Projekt organisiert. Die Möglichkeit zur Beteiligung wurde wohl 1997 gesät, als drei Studenten der Gruppe “Netzklang” begannen, gemeinsam in und aus Telekommunikationsmedien heraus zu arbeiten. Inspiriert und maßgeblich beeinflusst war diese Forschung von Projekten des ORF-Kunstradios, wie “Horizontal Radio” und “Immersive Sounds”. Nach der Einladung zur Teilnahme formierte sich eine interdisziplinäre Gruppe um “Netzklang”, die sich dezentralisiert organisierte. Nach gemeinsamer Erörterung der Recourcen bildeten sich zu jedem Teilbereich Untergruppen, die selbstständig arbeiteten. Die Problematiken und Entwicklungen vor allem in den Schnittbereichen wurden zweimal wöchentlich gemeinsam besprochen. So arbeiteten die Grafik- und die Webdesigngruppe eng zusammen, um I/O/sonic ein einheitliches visuelles Erscheinungsbild zu geben. Diese Vorgehensweise erwies sich als sehr effektiv und produktiv. Durch die intensive Kommunikation im Zusammenspiel mit der selbstbestimmten Arbeit jeder einzelnen war es möglich, ein Ergebnis zu schaffen, daß wohl jede beteiligte positiv überraschte.

Die Erfahrungen innerhalb dieses Projektes waren für alle sehr reich, auf technischer und individueller, persönlicher Ebene. Große Anteile von dem, was wir taten, waren für alle neu und nicht erprobt. Das KlangSystem selbst war so ausgelegt, daß niemand voraushören konnte, wie sich I/O/sonic letztendlich anhören würde. So waren wir alle sehr begeistert, dann zu erfahren, daß wir etwas geschaffen hatten, wodurch es möglich wurde, "Sound Drifting" in Weimar als ein weltumspannendes Netzkunstereignis, bei dem die beteiligten KlangkünstlerInnen permanent unterschiedliches Klangmaterial in das Netzwerk einspeisten, in seiner Tiefe erfahrbar zu machen.


ja.na:

“letzter tag der sendewoche: ich hatte nachtwache, war irgendwann müde und habe mich in den kreis der lautsprecher auf den rücken gelegt - die töne im halbschlaf zu bildern verwoben. und das unbeschreibliche gefühl gehabt, mit meinen sinnen in eine unfassbare weite hören zu können - durch die vernetzung quer durch die welt - es war, als ob ich ein heimlicher
zuhörer wäre, der sich eingeschlichen hat in einen riesigen pulsierenden organismus, der geräusche aus dem inneren eines grossen körpers vernimmt. und unten unter der treppe sasst ihr an den rechnern und hieltet vorsichtig diesen dünnen faden, der unser netzwerk mit den anderen verband. sehr lebendig kam mir die ganze sache vor, entwickelte eine unheimliche eigendynamik.”

I/O/sonic waren:

Martin Bellardi (Radiogestalung)
Saskia Benger (Grafikgestaltung)
Daniel Fischer (Webgestaltung und Serverkonfiguration)
Sascha Jaeck (Grafikgestaltung)
Andreas Krach (Konzept Organisation und Klangprogrammierung - Instrument)
Heiko Lochas (Klangprogrammierung - Raumklangsystem)
Jana Rogge (Grafikgestaltung)
Franka Rose (Radiogestaltung)
Sebastian Schlunk (Webgestaltung)
Dr. Ing. Günther Schatter (Rat und Tat)
Johannes Sienknecht (Konzept, Organisation und Klangprogrammierung - Instrument)
Jan Trützschler (Klangprogrammierung - Instrument)

sowie die MitarbeiterInnen der Systembetreuung der Medienfakultät (die uns mit vielen Rechnern ausstatteten) und die Mitarbeiter der Gruppe Datenkommunikationsnetzte der Bauhaus-Universität (die uns mit viel Bandbreite versorgten).

Produziert wurde I/O/sonic im SeaM - Studio für elektroakustische Musik der Hochschule für Musik "Franz Liszt" Weimar, sowie an der Bauhaus-Universität Weimar - mit besonderer Unterstützung durch das Lehrgebiet "Experimentelles Radio" der Fakultät Medien.

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File iosonic_excerpt.mp3
Bitrate 320 Kbps
Length 07:44




 

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